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Wie sieht die nahe Zukunft aus?

Fast hätte man es vergessen, doch die Finanzkrise hat es wieder einmal gnadenlos bestätigt: Die Wirtschaft, zumal die Uhrenindustrie, ist wiederkehrenden Zyklen unterworfen. Wie in der Fabel Die Grille und die Ameise von Jean de la Fontaine, stehen heute viele von denen, die den ganzen Sommer über unbeschwert gezirpt haben, praktisch mit leeren Händen da, nachdem am Himmel schwarze Wolken aufgezogen sind.

Nichts liegt uns ferner, als moralinsaure Belehrungen von uns zu geben. Doch es gibt nun einmal keine Wunder: Eine Uhr zu konzipieren, zu realisieren und zu verkaufen ist ein Beruf, ein wunderschöner Beruf noch dazu, in dem natürlich auch Glück und Zufall eine Rolle spielen, der aber vor allem Arbeit, Arbeit und noch einmal Arbeit bedeutet. Das haben zum Glück die allermeisten Schweizer Uhrenfabrikanten nicht vergessen, und das stimmt uns auch optimistisch für die kommenden Monate.

Wir freuen uns, Ihnen in den Spalten des Jahrs der Schweizer Uhren die schönsten Leistungsproben der Uhrmacherzunft vorstellen zu dürfen. Jahr für Jahr, ob Krise oder nicht, erfüllen sie uns durch ihre Kreativität mit Begeisterung. Wir gehören jedenfalls nicht zu denen, die 2009 aufgrund der Wirtschaftslage als schwachen Jahrgang schmähen, als Leerlauf sozusagen, ohne nennenswerte Neuheit und ohne wesentliche technische Innovation. Überhaupt sollte endlich mit dieser absurden Betrachtungsweise aufgehört werden. Die Uhrmacherei ist nun einmal kein sportlicher Wettkampf, in dem nur Podestplätze der Rede wert sind. Der Gehalt eines Jahrgangs liegt woanders und wird von den verschiedensten Einflüssen bestimmt, vom menschlichen Faktor bis zum kleinsten technischen Detail, ohne die emotionale Seite zu vergessen.

In diesem Sinne schneidet das vergangene Jahr überhaupt nicht schlecht ab. Jawohl, die Uhren mit dem Ehrenprädikat Swiss Made können sich schon jetzt auf bessere Tage freuen, davon sind wir felsenfest überzeugt. Es wimmelt von neuen Talenten, denen es vielleicht noch an Bekanntheit fehlt, die aber unbeirrbar weiterarbeiten. Im Übrigen hat das Problem mit der Gegenwart nichts zu tun. Faszinierende Forschung gibt es auf allen Gebieten; getüftelt wird an neuen Werkstoffen ebenso wie an den neuralgischen Organen der Uhr.

Das begeisternde Abenteuer der Uhrmacherei geht weiter. Wir vom Jahr der Schweizer Uhren sind stolz darauf, davon immer wieder Zeugnis abzulegen.



Roland Ray
Herausgeber


Was selten ist, ist nicht unbedingt teuer...
Betrachtungen zu den Begriffen Preis und Wert

Im vorigen Oktober machte Grégory Pons, ein alter Fuchs der Uhrenpresse, zeitgemäss einen Genfer Politiker aus, der am Handgelenk eine falsche Panerai trug. Peinlich für den Betreffenden, zumal er eine populistische Partei vertritt, die unter anderem auf nationale Eigenständigkeit, Law and Order, Misstrauen gegenüber Ausländern und vermeintlichen Hochstaplern pocht. Und was hat der Betreffende geantwortet? Höhnisch wies er darauf hin, dass ein «normaler» Bürger sich eine Uhr Swiss Made gar nicht leisten könne. Eine Erwiderung auf die dümmliche Bemerkung erübrigt sich, doch stimmt sie auch nachdenklich.

Es ist ja nicht zu bestreiten, dass Schweizer Uhren teuer sind. Jedenfalls solche, die dieser anspruchsvollen Bezeichnung würdig sind. Dabei nehme ich bewusst das Edelsegment aus, das tatsächlich nur für betuchte Kunden in Frage kommt. Warum aber sind diese Objekte eigentlich so teuer? Weil sie in der Schweiz hergestellt werden, mit ausgewählten Werkstoffen, nach aufwendigen handwerklichen und industriellen Verfahren, um höchste Ansprüche zu erfüllen, denen nur hochqualifizierte und entsprechend gutbezahlte Spezialisten gewachsen sind. Das kostet nun einmal Geld, vom Entwurf bis zur marktreifen Entwicklung und Produktion. Das ist mit Massenware, die das genaue Gegenteil darstellt, überhaupt nicht zu vergleichen. Preis und echter Wert werden immer wieder sträflich verwechselt. Für Liebhaber und Kenner echter Qualität ein Graus. Und eine regelrechte Beleidigung für die rund 40 000 Beschäftigten der Uhrenindustrie.

Heute braucht niemand mehr eine Uhr, um zu wissen wie spät es ist. Und doch wurden noch nie so viele Zeitmesser verkauft wie heute. Wenn die Uhrmacherei – besonders die schweizerische – auf so viel Interesse stösst, gibt es sicher einen einleuchtenden Grund dafür. Männer und Frauen sind eben stolz darauf, schöne Objekte zu tragen, die technisch, ästhetisch und emotional einen echten ideellen Mehrwert darstellen. Sie haben begriffen, wie kostbar die Arbeit der Uhrmacher ist und haben Verständnis für deren materiellen Wert.



Thierry Brandt
Chefredaktor



Vertrauen in die Zukunft

Trotz der weltweiten Krise, die alle Sektoren der Wirtschaft und damit auch die Uhrenbranche erfasst hat, bleibe ich für deren Zukunft optimistisch. Das mag im jetzigen Zeitpunkt, wo unsere Exporte in den ersten acht Monaten 2009 um ca. 25% geschrumpft sind, wie eine Provokation wirken. Immerhin haben die Schweizer Uhrenexporte jedoch zwischen 2004 und 2008 um fast 70% zugenommen, und die Branche hat in diesem Zeitraum an die 10 000 Personen eingestellt. Doch ich möchte nicht in kurzsichtige Euphorie verfallen. Ich weiss, dass die Lage schwierig, für nicht wenige Unternehmen sogar sehr schwierig ist. Es tut weh, seine Produktion drosseln zu müssen, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Doch Uhren waren schon immer ein konjunkturabhängiges Produkt. Mich berührt auch das Schicksal der Zulieferer, die es zum Teil besonders hart trifft. Sie bilden ein industrielles Netzwerk, das für die Schweizer Uhrenindustrie trotz und auch nach der Krise unentbehrlich bleibt.

Per Saldo darf die Branche jedoch als gesund und gegenüber der Konkurrenz ungeschwächt bezeichnet werden, ganz im Gegensatz zur Krise Ende der siebziger Jahre. Wenn ich die Branche als gesund bezeichne, so deshalb, weil sie alle Voraussetzungen erfüllt, um wieder auf Wachstumskurs zu gehen, sobald sich die Lage bessert. Unter den vielen Stärken der Uhrenindustrie möchte ich die laufenden Investitionen in Forschung und Entwicklung, ihre Kreativität in Sachen Design, die Qualität der Ausbildung, die Konzentration der Kompetenzen in unseren Uhrmacherregionen, die Ausstrahlung ihrer weltweit bekannten Marken, ihr Vertriebsnetz und den Ruf der Qualität Swiss Made erwähnen.

Um schadlos aus der gegenwärtigen Situation hervorzugehen, braucht die Branche jedoch auch günstige Rahmenbedingungen, in der Schweiz wie im Ausland. Auf dieser Ebene gilt es vor allem, Rückfälle in den Protektionismus zu vermeiden, der immer dann droht, wenn Turbulenzen auftreten und die Länder am liebsten ihre Grenzen schliessen würden, um sich nach aussen abzuschotten. In dieser Hinsicht ist die Schweiz mit gutem Beispiel vorangegangen, indem das Stimmvolk den bilateralen Weg der Zusammenarbeit mit Europa gutgeheissen hat: Eine Ablehnung der Personenfreizügigkeit hätte ebenfalls wie eine Form von Protektionismus gewirkt.

Leider ist die Lage in manchen Ländern jedoch alles andere als rosig. Deshalb müssen die Bemühungen der Schweizer Behörden um Freihandel und Beseitigung von Handelshemmnissen unterstützt werden, sei es im Rahmen der WTO oder in Form von Freihandelsabkommen. In diesem Sinne begrüsse ich den Abschluss eines solchen Abkommens mit den Golfstaaten, durch das wir jährlich 60 Millionen Schweizer Franken an Zollabgaben sparen, und mit Japan, wo dem Abkommen für die Schweizer Uhrenindustrie ein hoher Symbolwert zukommt. Wer hätte vor dreissig Jahren gedacht, dass wir mit diesem Land eine Vereinbarung treffen würden, die nicht zuletzt den Uhrenhandel erleichtert. Damit ist der Beweis erbracht, dass die Schweizer Uhrenindustrie keine Angst vor ihren Konkurrenten hat. Sie respektiert sie, fürchtet sie aber in keiner Weise.



Jean-Daniel Pasche
Präsident des Verbands
der schweizerischen Uhrenindustrie FH




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